Green It Yourself: Veganer Frischkäse

Ich persönlich war früher kein allzu großer Frischkäse-Fan. Aber selbst ich finde, dass selbstgemachte Marmelade auf Frischkäse nochmal locker doppelt so lecker schmeckt! Und da ich mit Hannah ja nun schon einmal Erdbeer-Marmelade gemacht hatte und ich keinen Frischkäse kaufen würde (Warum und weshalb?), schaute ich mich ein wenig im Internet um, ob es nicht auch eine vegane, vielleicht auch nachhaltigere Alternative gibt. Denn natürlich gibt es längst auch veganen Frischkäse-Ersatz zu kaufen, allerdings ist dieser oft vergleichsweise teuer, nicht überall erhältlich und mir auch ehrlich gesagt den Aufwand, sich durchzutesten, nicht wert. Ich wollte einfach nur mit möglichst wenig Aufwand eine günstige und vor allem leckere Unterlage für meine Marmelade haben. 😉

So kam es, dass ich online in die DIY-Welt des veganen Käse-Ersatzes stolperte und zuerst einmal überfordert war. Es gibt gefühlt 1000 verschiedene Arten, veganen Käse und Frischkäse selbst herzustellen und von sehr kompliziert und aufwendig bis zu easy-peasy, aber potentiell gewöhnungsbedürftig ist alles mit dabei. Irgendwie nutzten aber fast alle Rezepte in irgendeiner Form Cashewkerne, daher entschied ich mich ebenfalls dafür. Wenn’s alle machen, kann es ja nicht so verkehrt sein.

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Die wichtigsten Zutaten für veganen Frischkäse a.k.a. Vrischkäse. 😉

Ich orientierte mich lose an dem folgenden Youtube-Tutorial. Ich finde sehr sympathisch, dass die Macherin wenig Wert auf genaue Mengenangaben legt und habe die Mengen daher auch eher geschätzt. Da mein Schraubglas für den Frischkäse aber wesentlich kleiner war als das im Video  und ich das Rezept ja eh erstmal nur testen wollte, habe ich meine Mengen etwas heruntergerechnet.

Wie man sieht, braucht man für dieses Rezept nicht viel, aber zuerst einmal Rejuvelac. Davon hatte ich persönlich vorher noch nie etwas gehört, aber im Prinzip handelt es sich um ein fermentiertes und angeblich sehr gesundes Getränk, was man ohne viel Arbeit selbst herstellen kann. Rejuvelac ist sehr reich an B-Vitaminen und Enzymen und wird daher auch häufig zur Darmsanierung genutzt. Das Getränk enthält aber auch die Bakterien, die letztendlich für einen milchig-käsigen Geschmack sorgen.

Für ein Marmeladenglas Rejuvelac braucht man:

  • ca. 20g Quinoa
  • ein Schraubglas/Marmeladenglas o.ä.
  • stilles Mineralwasser oder gefiltertes/abgekochtes Leitungswasser
  • ein Spritzer Zitronensaft

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Als erstes das Quinoa in das Glas geben und komplett mit Wasser auffüllen. Einen Spritzer Zitronensaft hinzugeben, das Ganze mit einem sauberen Küchentuch abdecken und bei Raumtemperatur stehen lassen. Der Fermentierungsprozess dauert nun ca. 2 bis 3 Tage. Wenn die Flüssigkeit leicht milchig ist und etwas säuerlich schmeckt, ist der Rejuvelac fertig. Nun einfach die Flüssigkeit durch ein Sieb abschütten und auffangen, das Quinoa wird jetzt nicht mehr gebraucht. Der Rejuvelac kann jetzt sofort weiterverarbeitet werden, hält sich sonst aber auch problemlos bis zu einer Woche im Kühlschrank.

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So ungefähr sollte der fertige Rejuvelac dann aussehen!

Zutaten für den veganen Frischkäse:

  • Rejuvelac
  • ca. 100g Cashews
  • Salz
  • ggf. Hefeflocken

Obwohl Cashews relativ weich sind, sollten sie vor dem Mixen eine Weile in Wasser eingeweicht werden; ich habe das einfach über Nacht gemacht. Nach dem Einweichen die Cashews gut abtropfen lassen und dann in einen Standmixer oder ein festes Gefäß geben. Ich habe einen kleinen Smoothie-Mixer genommen und da selbst dieser das geschafft hat, denke ich, dass so ziemlich jeder (Stab-)Mixer hier ausreichen sollte. 🙂

Etwas Rejuvelac und Salz zu den Cashews hinzufügen und solange mixen bis eine geschmeidige, leicht cremige Masse entsteht. Hier kann man je nach Bedarf noch etwas mehr Rejuvelac hinzufügen wenn die Masse ansonsten zu hart wird. Ich habe beim Mixen direkt auch eine Prise Hefeflocken dazugegeben, einfach weil ich diese eigentlich zu allem wegen des deftigen, käsigen Geschmacks sehr gern esse. Für mich machte es daher Sinn, diesen käsigen Geschmack auch in den Frischkäse zu bringen, aber das kann jeder selbst entscheiden. Geschmeckt hat es auf jeden Fall! 🙂

Nach dem Mixen die Masse zurück in das Schraubglas geben und bei Zimmertemperatur ca. 12-36 Stunden reifen lassen. Je länger die Reifezeit, desto intensiver wird der Geschmack und umso fester ist die Konsistenz. Ich habe das Glas ca. einen Tag stehen lassen und danach sah das Ganze so aus:

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An diesem Punkt war ich etwas skeptisch, da ich eigentlich eine wesentlich festere Konsistenz erwartet habe. Hier hilft es aber, den Käse noch eine Weile (bei mir ca. 24h) in den Kühlschrank zu stellen. Anschließend sah das Ganze gleich viel besser und vor allem schmierfähiger aus. Immer noch recht luftig, aber als Frischkäse und somit essbar zu erkennen. 🙂

Die Weiterverarbeitung ist nun eigentlich eher Freestyle und kann je nach Geschmack gemacht werden. Wer seinen Frischkäse noch etwas cremiger und “frühlingshafter” möchte, kann etwas Pflanzenjoghurt unterheben. Wahlweise kann man den Käse mit Kräutern, Frühlingszwiebeln, Pfeffer, Knoblauch, Nüssen oder auch fein geschnittenen Datteln oder Feigen verfeinern. Wie bei Frischkäse auf Milchbasis ist hier der Kreativität keine Grenzen gesetzt!

Da der Frischkäse bei mir im Wesentlichen aber als Unterlage für Marmelade dienen sollte, habe ich mich bei der Verfeinerung etwas zurückgehalten und nur ein bisschen Sojajoghurt untergerührt, abgewürzt und fertig!

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Fazit

Cashew-Käse klingt erstmal kompliziert und irgendwie abgedreht, ist aber eigentlich super einfach und eine leckere Frischkäse-Alternative! Die einzelnen Arbeitsschritte sehen  nach viel aus, sind aber in sich nicht sehr aufwendig. Im Wesentlichen braucht man nur etwas Geduld in den Wartezeiten und vor allem sollte man das Projekt zwischendurch nicht vergessen! Das ist mir beim ersten Rejuvelac-Versuch passiert, ich kann also Reminder im Smartphone hier nur empfehlen…

Abgesehen davon: Geschmacklich ist das Ganze nicht ganz genau wie Frischkäse, aber für mich absolut ausreichend und besonders kombiniert mit anderen Beilafgen auf Brot nah genug dran. Die Konsistenz ist etwas weicher als die herkömmliche Version, das kann aber auch am Joghurt liegen. Und ja, ich hatte auch erst erwartet, dass das Ganze Frischkäse-mäßig weiß wird. Warum ist mir im Nachhinein auch rätselhaft, schließlich sind Cashews nun mal einfach nicht weiß. Ein Denkfehler also, mit der “Cashew-Farbe” des Käses kann ich aber trotzdem gut leben.

Alles in allem: Aufwand und Kosten halten sich wirklich sehr in Grenzen und der Geschmack überzeugt! Ich kann das Nachmachen auf jeden Fall empfehlen und werde auch nochmal andere Weiterverarbeitungs- und Verfeinerungsmöglichkeiten ausprobieren. Definitiv lecker und sicher auch als Mitbringsel für Veganer-Freunde (und solche, die es werden wollen) eine coole Idee! 🙂