Grüner Daumen hoch? – 5 nachhaltige Apps im Test

In ihrem #meingruenertipp hat uns Jenny von Vegane Wunderwelt eine App empfohlen, mit der sie im Supermarkt darauf achtet, möglichst saisonal Obst und Gemüse einzukaufen. Das hat uns auf die Idee gebracht, doch einmal zu recherchieren, ob es noch mehr nützliche, grüne Anwendungen gibt und sie zu testen. Denn abgesehen von Kosten und Eitelkeit ist Informationsüberforderung wohl einer der Hauptgründe, der Menschen davon abhält, ihr Leben nachhaltiger zu gestalten. Hier also unsere Testberichte zu fünf Android-Apps, von denen wir uns eine Erleichterung für unseren persönlichen Alltag erhofft haben.

Saisonkalender

Saison

Und das ist die besagte App von Jenny: Der Saisonkalender von aid, einem gemeinnützigen Infodienst rund um Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung. Beim Click auf das App-Icon öffnet sich direkt die aktuelle Ansicht, welches Obst und Gemüse gerade Saison hat. Dabei kann man in den Einstellungen auswählen, ob man sich nur die regionalen, importierten oder alle Sorten zusammen anzeigen lassen will. Vorteil: Die App funktioniert auch ohne WLAN oder mobiles Datenvolumen. Sprich: Auch im Supermarkt mit schlechten Empfang kann man sich schnell mal eben informieren. Mit Internet gibt’s aber die zusätzliche Option, Infos aus der App in verschiedenen Messengern oder sozialen Netzwerken zu teilen. Installation lohnt sich also auf jeden Fall!

 

Siegel-Check und Label-Online

Siegel-sideKlar, die Standard-Siegel für „Bio“ oder „vegetarisch“ kennt man. Aber bei der Frage was jetzt genau „Fairtrade“ heißt und wie verlässlich die jeweiligen Öko-Siegel wirklich sind, kommen die meisten ins Stocken. Wie praktisch wäre es also, wenn man nur die Handykamera auf die Verpackung halten müsste – und schwups, schon hätte man alle wichtigen Infos. In der Praxis funktioniert das aber leider bei keiner der beiden deutschen Apps, weder bei Label-Online vom Verbraucher-Verband noch bei Siegel-Check vom NABU.

Wahrscheinlich das Problem: Die Label sind meist sehr klein gedruckt und von mehreren anderen Informationen umrahmt. Das ist für die Bildererkennung wohl einfach zu schwer. Ohne die automatische Erkennung ist bei den Apps aber immer noch die manuelle Suche verfügbar. Die NABU-App lässt sich auch offline bedienen und hat eine komfortablere Suchfunktion (s. Screenshots), Label-Online hat dafür aber deutlich mehr unterschiedliche Siegel zur Verfügung. Beide Apps haben zudem ein Bewertungssystem, das auf die Transparenz und Verlässlichkeit der Siegelvergabe hinweist. Während der Nabu hier aber nur bis zu drei Daumen vergibt, informiert Label-Online über sehr viel tiefgehendere Details wie Unabhängigkeit, Ziele und Kontrolle. Fazit: Wahrscheinlich immer noch schneller und einfacher als googlen, aber ansonsten kaum ein Mehrwert.

Pl@ntNet

Pflanzen

Und genauso hakt es auch mit der Bilderkennungsfunktion von Pl@ntNet, die einem dabei helfen soll, Pflanzen anhand von Merkmalen wie Blätter, Blüten oder Früchten zu erkennen. Anders als die beiden Siegel-Scanner hat diese App aber immerhin zwei von fünf meiner Balkonpflanzen anhand von Blätterfotos erkennen können. Nicht besonders sicher, wenn man entscheiden will, ob eine im Wald entdeckte Frucht essbar ist. Aber falls es nicht zu eilig ist und einen doch interessiert: Man kann das Foto in die Community hochladen und von anderen Usern bestimmen lassen. Außerdem verfügt die App über ein Verzeichnis der meisten Pflanzenarten. Mit Klick auf den Namen hat man Zugriff auf den Wikipedia-Eintrag und die User-Fotos von Blättern, Blüten, Früchten und Stängeln. Fazit: Kann dabei helfen, zwischen Unkraut und Nutzpflanzen zu unterscheiden, wenn man sich Zeit nimmt.

Der Gemüse-Gärtner

Gartenkalender

Häufige Situation im Gemeinschaftsgarten: Die Blätter einer Pflanze sind komisch verfärbt oder mit Schädlingen befallen. (Zuletzt die Kartoffeln wegen des ganzen Regens.) Jetzt müsste man eigentlich so schnell wie möglich Maßnahmen ergreifen. Aber der Gartenordner mit den ganzen Notizen ist mal wieder verschollen und zum durch die Bücher blättern hat auch niemand wirklich Lust. Und so wird das ganze verschoben. Die Gemüse-Gärtner-App könnte hier also wirklich helfen: Auf einen Blick liefert sie Infos für die wichtigsten Kräuter- und Gemüsesorten zu Auswahl, Aussaat, Pflege, Dünger und Schädlingen. Im Menü findet man zudem ein Icon für Tipps gegen alle möglichen Schädlinge und verschiedene natürliche Dünger. Besonders praktische Zusatzfunktion: Es gibt einen Gartenkalender, wo man sich automatisch Erinnerungen für die Aussaat zu Hause, im Freien und Verpflanzung in den Handy-Kalender legen kann. Und ich kann mich noch dran erinnern, dass ich es mühsam fand, daran zu denken, wann welche Pflanze jetzt für wie lange auf den Balkon muss. Fazit: Für den Zugriff auf alle Sorten müsste man zwar knapp drei Euro bezahlen, aber selbst die kostenlose Version lohnt sich für Anfänger.

Nachhaltigkeits-Kompass

Projekt

„Du willst Entscheidungen fällen, die nachhaltiger sind. (…) Der Nachhaltigkeits-Kompass wird zu Deinem praktischen Führer auf diesem Weg. Er zeigt Dir die verschiedenen Kriterien und Dimensionen der Nachhaltigkeit auf und lädt Dich dazu ein, für Dein konkretes Projekt vier auszuwählen, die Du einhalten willst. Hast Du die Kriterien gewählt, bietet Dir die App eine Checkliste, die Dir hilft, diese jetzt umzusetzen und das Richtige zu tun.“ Das verspricht die App von Natural Step, einer Non-Profit-Beratungsorganisation zum Erhalt der Ökosysteme. Ich habe also für Blumenkopf ein Projekt in der App angelegt. Als Kriterien habe ich „Schutz der Natur“, „Partizipation“, „Identität“ und „Verstehen“ ausgewählt. Statt der praktischen Checkliste für tatsächliche Handlungsschritte, die ich mir erhofft hatte, spuckt die Anwendung mir aber eher Inspirationsfragen für eine intellektuelle Auseinandersetzung mit den jeweiligen Teilen aus. Also zum Beispiel „Fördert die geplante Handlung Diversität?“ oder Wie ist Partizipation sichergestellt?“. In der App lassen sich diese Fragen auch als gedrucktes Kartenset für eine Gruppendiskussion herunterladen. Und ich denke, das ist eine Anwendung für die sich dieser Inhalt besser eignet. Denn aktiv würde ich eine App eher nicht als Denkansatz wählen. Fazit: Nette Idee, aber ohne praktischen Nutzen.

Kennt ihr noch eine andere oder vielleicht bessere App als diese fünf? Gerne kommentieren! 🙂

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