Green It Yourself: Wurmkompost für Zuhause

Wer zum Teufel stellt sich freiwillig eine Kiste mit Würmern ins Haus?

Das war so ziemlich mein erster Gedanke als ich vom Kompostieren mit Würmern hörte. Ich war also mehr als ein bisschen skeptisch. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber auch noch nicht, dass Wurmkompost eine der nachhaltigsten Wege der Müllverwertung in der Stadt ist. Ich fand nur, dass es verrückt und irgendwie auch eklig klang.

Ich kam das erste Mal im Gemeinschaftsgarten mit dem Thema in Kontakt, als hier der Bau einer Wurmkompost-Anlage geplant wurde. Hier erfuhr ich auch, dass es in Düsseldorf eine Gruppe von Ehrenamtlichen gibt, die regelmäßig kostenlose Workshops zum Thema Kompost anbieten und Interessierte bei der Anschaffung einer Wurmkiste beraten. Im Gemeinschaftsgarten lernte ich dann Adelheid, eine dieser “Wurmkompost-Expertinnen”, kennen und so kam es, dass ich mir mit einigen anderen eine Woche später von ihr im Workshop erklären ließ, warum eine Wurmkiste im Haus (oder auf dem Balkon) vielleicht doch nicht die schlechteste Idee ist.

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Als erstes wurde uns das zentrale Problem erläutert und damit die Frage nach dem Warum beantwortet: Im Gegensatz zu ländlichen Regionen gibt es in den meisten Städten keine Biotonnen. Für eine weitere Tonne ist in den Innenstädten oft schlicht kein Platz und Biotonnen neigen eben auch sehr zu Gestank. Bio-Abfälle landen in Städten also mit im Restmüll und werden dementsprechend verbrannt. Laut Adelheid eine riesige Verschwendung, denn diese Abfälle sind kompostierbar und damit als Humus ein sehr wertvoller, natürlicher Pflanzendünger.

“Im Durchschnitt sind 40 Prozent der Abfälle in einem Haushalt wiederverwertbar. Diese Abfälle werden momentan einfach mit verbrannt während teurer Bio-Humus womöglich aus dem Ausland importiert wird. Das ist eigentlich nicht nötig; wir können auch einfach selbst unsere Abfälle kompostieren und produktiv verwerten.” Ich hatte vorher nie über die fehlende Biotonne nachgedacht, aber es machte ja durchaus Sinn: Auch Leute ohne Garten – und damit ohne Kompost – produzieren kompostierbare Abfälle. Und Humus braucht man ja auch für Balkonpflanzen, also warum nicht?

Im Anschluss an die kleine Einführung wurden uns verschiedene Wurmkisten gezeigt. Diese lassen sich im Prinzip in gekaufte oder selbstgebaute Modelle unterteilen. Gekauft sind sie immer aus Plastik, beim Selberbauen kann man natürlich auch Holz verwenden. Hier warnte Adelheid aber direkt: “Die Feuchtigkeit in der Box kann mit der Zeit durch das Holz duchsuppen, da haben wir noch keine perfekte Lösung gefunden. Außerdem ist Holz letztendlich auch kompostierbar, sprich: Die Box wird definitiv nicht für immer halten.” Trotzdem experimentieren die “Wurmkisten-Expertinnen” hier noch weiter und probieren verschiedene Ideen aus.

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Aber egal ob gekauft oder selbstgebaut, Wurmkisten funktionieren eigentlich immer nach dem gleichen Prinzip. Es gibt eine Art Schichtungssystem, nach dem auch die selbstgebaute Box in diesem Video funktioniert.

 

Wie man sieht: Im Prinzip versucht man bei der Füllung, ein möglichst natürliches Umfeld nachzubauen in dem sich die Würmer wohl fühlen. Als Basis eignen sich hier ideal Kokoserde (gibt’s in Gartenläden) und Zeitungsschnetzel, alles am besten leicht befeuchtet. Der Kompost wird dann einfach immer möglichst kleingeschnitten hinzugefügt und von dem Würmern verarbeitet. Hier allerdings wieder eine Information, die mir neu war: Es gibt spezielle Kompostwürmer, sprich: Man kann nicht einfach draußen Regenwürmer sammeln und in eine Kompostkiste packen.

Wenn man also keine Kompostberatung oder ähnliches in der Nähe hat, muss man Kompostwürmer im Internet kaufen. Laut Adelheid bekommt man hier dann ca. 1000 Würmer und sie empfiehlt, beim Kauf auf jeden Fall europäische Würmer zu nehmen. Falls die Würmer dann über den Kompost in die Natur gelangen, ist so sichergestellt, dass sie das bestehende Ökosystem vor Ort nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Grundsätzlich kann man mit der Sorte Eisenia fetida nicht viel falsch machen. Diese sind sehr widerstandsfähig, vermehren sich schnell und können täglich mehr als die Hälfte ihres Körpergewichts fressen. Sie eignen sich daher hervorragend fürs Kompostieren und werden am häufigsten genutzt.

Auch meine größte Sorge konnte ich im Workshop durch das Betrachten und Auseinandernehmen der Boxen aus der Welt schaffen: Ein funktionierender Wurmkompost stinkt überhaupt nicht! Es riecht bei den tieferen Schichten eher leicht angenehm erdig und etwas nach Wald. Dies macht laut Adelheid eigentlich auch Sinn: “Beim Wurmkompost wird ein Ökosystem aufgebaut, was dem von einem Wald- oder Gebüschboden relativ ähnlich ist. Und der stinkt ja auch nicht. Außerdem werden die Boxen über die Lüftungslöcher ja dauernd belüftet. Luft ist sowieso bei jeder Kompost-Art am wichtigsten: Mit Luft stinkt es nie, ohne sofort!”

Außerdem fand ich noch sehr spannend, dass es den Würmern anscheinend nichts ausmacht wenn sie eine Zeit lang nichts zu fressen bekommen. Man kann problemlos 2 bis 3 Wochen wegfahren und sie allein lassen, nur vorher überfüttern sollte man sie nicht. “Sobald sich die Würmer eingelebt haben, sind sie eigentlich recht widerstandsfähig. Die Bestände regulieren sich selbst und solange man sie nicht mit schädlichen Stoffen füttert, gibt es auch praktisch keine Krankheiten.” Damit nicht aus Versehen für die Würmer giftige Stoffe in der Kompostkiste landen, empfiehlt Adelheid eine Grafik oder Liste über oder auf der Box zu befestigen. So ist für jeden direkt klar, was Würmer verarbeiten können und was nicht.

Schlussendlich war der Wurmkisten-Workshop auf jeden Fall ein unerwartet positives Erlebnis! Nach anfänglichem Ekel ist das Thema nun für mich überhaupt nicht mehr abstoßend, sondern lässt sich mit ein bisschen Einarbeitung und Hilfe am Anfang problemlos in den Alltag integrieren. Positiv überrascht war ich auch von den anderen Kursteilnehmern: Es waren erstaunlich viele Leute aus den verschiedensten Altersgruppen da, die sich offensichtlich für das Thema Nachhaltigkeit interessierten und ihren Alltag dahingehend verbessern wollten. Definitiv eine schöne Entwicklung! 🙂

Und obwohl ich zu Beginn wirklich nicht überzeugt war, bin ich mittlerweile doch wesentlich offener gegenüber einem Wurmkompost. Ein paar Wochen und vielleicht noch ein paar Wurmkisten-Workshops braucht es wohl noch bis zur finalen Entscheidung, aber ich denke, dass ich mich mit ein paar Tausend Würmern als Mitbewohner durchaus anfreunden könnte. 😉

Wenn euch das Thema Kompost in der Stadt oder auch besonders Wurmkompost interessiert, schaut doch ruhig auch mal beim Wurmkisten-Workshop vorbei! Der Kurs ist kostenlos, ohne Anmeldung und findet jeden ersten Mittwoch im Monat um 18 Uhr bei Leben findet Stadt in Düsseldorf statt. Für alle, die nicht aus Düsseldorf kommen: Das Internet ist zu dem Thema schon mal sehr hilfreich! 😉 Aber sicherlich gibt es in eurer Stadt auch Wurmkompostierer. Einfach mal in den lokalen Gartenvereinen oder Urban Gardening-Projekten nachfragen Ihr findet sicherlich jemanden, der euch ein paar Praxistipps für einen kleinen Stadtkompost geben kann! 🙂

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