Nachhaltig wirtschaften – Was sind eigentlich grüne Banken?

„Tun Sie mal was Systemrelevantes – Wechseln Sie die Bank!“
Dieser Spruch auf einem Werbeflyer ließ mich das erste Mal auf einer Nachhaltigkeitsmesse vor einigen Wochen innehalten. Ich hatte vorher nicht groß darüber nachgedacht, ob und wie meine Bank mein Geld nutzt und wo sie was finanziert. Natürlich liegt das auch daran, dass ich als Studentin ohnehin nichts für mein Girokonto zahle und meine paar Rücklagen für eine Bank wohl auch nicht besonders spannend sind.

Trotzdem stimmt es natürlich: Banken sind zentrale Akteure in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem und spätestens seit der Finanzkrise weiß jeder, dass dieses alles andere als nachhaltig oder fair ist. Zum Bankgeschäft gehören zum Beispiel Investments in Unternehmen und Branchen, die man persönlich oft nicht fördern würde. Hier wird häufig in Atomenergie oder die Waffen- und Fleischindustrie investiert oder auf Lebensmittel spekuliert. Als Kunde einer Bank hat man auf diese Bankgeschäfte keinen Einfluss und erfährt auch selten davon.

Werbung hat also vielleicht auch mal Recht: Banken sind systemrelevant. Und da ich ein meiner Meinung nach ausbeuterisches, schlechtes System nicht unterstützen möchte, habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht!

Was ist eine grüne Bank?

Grüne Banken bieten im Prinzip dieselben Leistungen wie andere Banken. Sie kümmern sich um die Führung von Girokonten, Tagesgeldkonten, bieten verschiedene Geldanlage-Produkte und Altersvorsorge an und vergeben Kredite. Der Unterschied: Grüne Banken investieren nach strengen Nachhaltigkeitskriterien, sowohl im sozialen als auch im ökologischen Bereich! Der Schwerpunkt hier variiert von Bank zu Bank, aber der jeweilige Fokus auf Nachhaltigkeit ist bei jeder grünen Bank die Basis für Investitionen. Außerdem legen grüne Banken sehr viel Wert auf Transparenz und bieten so ihren Kunden die Möglichkeit, genau zu verfolgen, wo ihr Geld investiert wird.

Tatsächlich gibt es in Deutschland viel mehr grüne Banken als ich erwartet hätte; man hat also geradezu die Qual der Wahl. 😉
Die folgenden vier Banken legen ihren Fokus klar auf Nachhaltigkeit: die GLS Bank, die Ethikbank, die Triodos Bank und die Umweltbank.

Die GLS Bank

Die GLS Bank ist die erste sozial-ökologische Universalbank der Welt und wurde 1974 gegründet. Die Gemeinschaftsbank bietet eigentlich alle typischen Bank-Produkte an: Von Girokonto über Bausparvertrag und Altersvorsorge bis zu Wertpapieren und Fonds ist alles dabei. Die GLS Bank gehört zum Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Daher kann man an allen Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos Geld abheben, leider aber nur bei den recht spärlich gesähten GLS-Filialen Geld einzahlen.
Als Student zahlt man für ein Girokonto wie bei den klassischen Banken nichts, danach fallen Kontoführungsgebühren an. Dies finde ich aber eigentlich ziemlich logisch, schließlich wird ja auch eine Serviceleistung erbracht.

Pro:

  • Große Transparenz! Alle geförderten Projekte werden online gelistet und man bekommt so einen guten Überblick, was mit dem eigenen Geld passiert.
  • Hohe Online-Affinität! Für mich ist es ein Vorteil, dass die Bank beim Service und auch sonst stark auf das Internet setzt. Das mag mancher anders sehen, ich find’s gut und praktisch. 🙂
  • Direkter Einfluss auf die Geldnutzung! Bei Kontoeröffnung kann man bestimmen, in welchem Bereich das eigene Geld fließen darf. Hier werden ausschließlich nachhaltige Projekte aus den Bereichen Energie, Ernährung, Bildung, Wohnen und Soziales unterstützt.

Contra:

  • Bargeld! Als ewiger Sparkassen-Kunde fällt schon auf, dass die kostenlosen Abhebemöglichkeiten im Vergleich nicht komplett flächendeckend sind. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, aber eben nicht an jeder Ecke wie bei den Sparkassen. Außerdem müsste ich erst nach Bochum fahren, um eine GLS Filiale zu finden, bei der ich Geld einzahlen kann. Hierfür wäre eine Kooperation mit einer anderen Bank also wirklich sinnvoll.

Die EthikBank

Die EthikBank ist wie die GLS Bank eine sozial-ökologische Universalbank. Folglich gibt es auch hier strenge Nachhaltigkeitsstandards, viel Transparenz und alle Bank-Produkte, die konventionelle Banken auch im Angebot haben. Außerdem ist auch die EthikBank Mitglied im BVR, sprich man kann bei allen Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos Bargeld abheben.

Pro:

  • Die EthikBank ist ebenfalls sehr online-affin und man kann eigentlich alles sehr einfach digital abwickeln. Von mir nicht persönlich getestet, aber bei meiner Recherche immer wieder hochgelobt: der telefonische Kundenservice. Angeblich soll die EthikBank hier wesentlich besser sein als die GLS, aber vielleicht ist das auch ein eher subjektiver Eindruck des Internets. 😉
  • Kontowechselservice! Die EthikBank macht den Kontowechsel sehr viel leichter, indem man systematisch Abbucher anwählen kann und dann druckfertige Anschreiben erhält, die über den Kontowechsel informieren. Spart Zeit und macht alles schön übersichtlich!
  • Auch hier wieder: Transparenz! Man kann zwar nicht wie bei der GLS über den geförderten Bereich entscheiden, aber man kann einsehen, welche Projekte von der Bank gefördert werden.

Contra:

  • Auch hier: Weniger Abhebemöglichkeiten und praktisch keine Möglichkeit, Geld einzuzahlen.
  • Kein Einfluss auf die Geldnutzung. Für mich persönlich ist Nutztierhaltung nun mal einfach nicht nachhaltig und ich möchte sie nicht fördern. Dies ist bei der EthikBank aber leider nicht ausgeschlossen.

Die Triodos Bank

Die Triodos Bank bezeichnet sich selbst als größte nachhaltige Bank, hauptsächlich wegen ihrer großen Kundenzahl. Finanziert werden hier nur Unternehmen, die laut Triodos aktiv einen Mehrwert für Mensch, Umwelt oder Kultur schaffen, und auch hier kann man den jeweiligen Bereich der Geldnutzung auswählen.
Allerdings hat die Triodos Bank – zumindest meinem Eindruck nach – ihren Fokus eher auf Geschäftskunden. Es gibt zwar Girokonten, aber das Abheben von Bargeld ist damit nirgendwo kostenfrei möglich. Dafür benötigt man eine Kreditkarte, mit der man dann kostenlos an Automaten mit Mastercard-Logo abheben kann. Ich persönlich brauche momentan keine Kreditkarte und will sie mir nicht nur zum Geld abheben anschaffen, insofern war die Triodos Bank schon an diesem Punkt für mich ausgeschieden. Laut meiner Recherche sind aber vor allem Geschäftskunden häufig sehr zufrieden und loben vor allem den schnellen Service der Bank.

Die UmweltBank

Die UmweltBank führe ich hier eher der Vollständigkeit halber auf, da sie für mich persönlich momentan nicht so relevant ist. Die UmweltBank fördert – wie der Name ja schon sagt – ausschließlich Umweltprojekte, also zum Beispiel Projekte im Bereich erneuerbare Energien oder umweltfreundliches Wohnen. Allerdings hat sie kein Filialnetz und daher auch ein sehr eingeschränktes Produktangebot; es gibt zum Beispiel kein Girokonto oder Bargeldabhebung. Man kann aber in verschiedenste Sparanlagen investieren, nachhaltige Wertpapiere kaufen oder auch Kredite beantragen. Vor allem im Bereich Baufinanzierung ist die UmweltBank bekannt, da sie hier sehr günstige Konditionen für besonders energiesparende Häuser anbietet.
Die UmweltBank ist also eher eine Ergänzung zur Hausbank und auch wenn sie für mich im Moment keine interessanten Angebote hat, werde ich sie mir auf jeden Fall nochmal ansehen falls ich jemals ein Haus bauen sollte. 😀

Mein Fazit

Was mir bei allen grünen Banken wirklich sehr positiv aufgefallen ist: Transparenz wird großgeschrieben! Die Banken legen offen, in welche Projekte sie wieviel investieren und geben Updates über Entwicklungen. Außerdem halten sich die Banken anscheinend an ihr Versprechen und investieren in spannende nachhaltige Projekte, die bei konventionellen Banken vielleicht nicht sofort gefördert werden würden.
Ich finde, so verliert die Bankenbranche etwas von ihrer anonymen Steifheit, der Fluss des eigenen Geldes kann beobachtet werden und man hat allgemein das Gefühl, dass hier der ursprüngliche Sinn einer Bank besser erfüllt wird.

Wie man aber an meiner Auflistung der Banken schon sieht: Für meine aktuelle Bedürfnisse waren die EthikBank und die GLS Bank am interessantesten. In meinen Augen sind die Angebote zu Girokonten bei beiden Banken recht ähnlich; nur die Kontoführungsgebühren nach Abschluss meines Studiums würden leicht unterschiedlich sein. Da ich aber bewusst nachhaltige Projekte fördern will und der Betrag jetzt auch nicht abnormal hoch ist, finde ich die Gebühren bei beiden Anbietern absolut okay.
Den Ausschlag gab letztendlich die Tatsache, dass ich bei der GLS Bank entscheiden kann, wo genau mein Geld investiert wird. So kann ich für mich ausschließen, dass ich unbeabsichtigt Nutztierhaltung fördere und das ist eines meiner persönlichen Ziele des Bankwechsels.

Habt ihr euch schon mal mit nachhaltigen bzw. grünen Banken auseinandergesetzt? Wenn ja, habt ihr schon gewechselt und zu wem?

2 Kommentar

  1. Hi, ein schöner Vergleich. Zur Info auch die GLS gehört zum BVR und man kann bei allen Volks- und Raiffeisenbankautomaten (21000 in Deutschland) kostenlos Bargeld abheben. Abheben und einzahlen geht an allen Filialen oder gegen Entgelt bei der Reisebank. Ich bin als Kunde von der Ethik Bank weg zur GLS aus unterschiedlichen Gründen. Gruß Werner

    • Hallo Werner,

      vielen Dank für das Lob und den Hinweis! 🙂

      Liebe Grüße
      Hetty und Hannah

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