Nur die Paten komm‘ in Garten

Das Online-Portal „Gartenpaten“ will Menschen helfen, einen Garten für den Anbau von Obst und Gemüse oder für die Freizeitgestaltung zu finden. Gleichzeitig bietet es denjenigen, die sich Hilfe oder Gesellschaft wünschen, die Möglichkeit, über die Datenbank Garten-Mitbenutzer zu suchen. Wir haben eine der Gründerinnen, Leonie Culman, ein paar Fragen gestellt.


Gartenpaten_Leonie&Veronika

(v.l.n.r.: Leonie und Veronika)

Leonie, wie ist die Idee für Gartenpaten entstanden?

Wir, Veronika und ich, haben beide in einer Stadtwohnung in Freiburg gewohnt und nach einem Garten zum (Mit-)Gärtnern gesucht. Uns wurde schnell klar, dass das mit den gegebenen Mitteln gar nicht so einfach sein würde, da wir nicht die einzigen Suchenden waren. Gleichzeitig ist uns aber auch bewusst geworden, dass es viele Menschen gibt, die gar keine Zeit für ihren eigenen Garten haben oder die Arbeit körperlich nicht mehr bewältigen können. Und diese beiden Versorgungslücken wollten wir zusammenbringen.

Wie genau funktioniert das Portal?

Interessierte können sich auf der Webseite einen Überblick der aktuellen Datenbankeinträge verschaffen. Nach der kostenfreien Registrierung werden die Kontaktdaten sichtbar, sodass Suchende und Anbietende in Verbindung treten können. Die Anmeldung ist ebenso Voraussetzung, um eigene Einträge einzustellen.

Die genaue Adresse muss aber weder bei der Registrierung noch bei der Anzeigenerstellung angegeben werden, eine E-Mail-Adresse ist ausreichend. Die Konditionen für die gemeinschaftliche Gartennutzung werden dann von den Nutzern selbst festgesetzt.

Gartenpaten-Logo

Was war die größte Herausforderung, ein solches Portal ins Laufen zu bringen?

Der schwierigste Aspekt ist wahrscheinlich die Benutzerfreundlichkeit. Besonders ältere Menschen, also meistens die mit dem eigenen Garten, hatten Schwierigkeiten sich auf unserer ersten, selbstgebauten Website zurechtzufinden. Wir haben dann viel gegrübelt und probiert und seit März 2016 ist unter www.gartenpaten.org eine schöne und verständliche Website online.

Gibt es schon erfolgreiche Vermittlungsgeschichten, von denen ihr berichten könnt?

Ja, es gibt einige schöne Geschichten. Letzte Woche erst schrieb mir eine Nutzerin aus Hamburg nach erfolgreicher Vermittlung Folgendes:

„Hoffentlich werden dank euch bald zwei kleine Stadtkinder wissen, dass ein Regenwurm nicht beißt, und gleichzeitig mehrere Gartennachbarn keine Löwenzahnsamen mehr herüber geweht bekommen. Win-win.“

So nette Rückmeldungen freuen und motivieren uns.

Gartenpaten

Wie wollt ihr noch mehr Leute darauf aufmerksam machen?

Wir sind auf verschiedenen Kanälen aktiv. Zum einen online auf Facebook und Twitter, aber inzwischen berichten auch viele Printmedien über das Projekt. Urban Gardening ist ja generell ein großes Thema. Wir gehen aber auch auf Messen und Märkte oder kontaktieren Gemeinden und Pflegedienste.

Später im Jahr ist noch die Einführung eines Eventkalenders geplant, über den interessierte Privatleute und Organisationen ihre nicht-kommerziellen Veranstaltungen einem breiteren Publikum vorstellen können.

Glaubt ihr, es wird Hemmungen geben, fremde Leute im eigenen Garten werkeln zu lassen? Oder denkt ihr, das Projekt könnte ähnlich erfolgreich wie beispielsweise Mitfahrzentralen oder Foodsharing werden?

Klar, es gibt immer ein paar Leute, die sich so etwas nicht vorstellen können und keine fremden Menschen in den Garten lassen wollen. Aber die positive Resonanz und die erfolgreichen Vermittlungen aus dem letzten Jahr zeigen, dass es Bedarf gibt und dass viele Menschen gerne teilen möchten.

Wie soll das Projekt längerfristig finanziert werden?

Wir sind inzwischen auch verstärkt offline unterwegs und geben zum Beispiel Workshops zu Wildbienen(schutz) im Garten, Vertical Gardening oder Boskashi-Bau. Wir haben auch bereits einige Werbe- und Kooperationspartner gewonnen. So können wir die laufenden Kosten der Website decken.

Habt ihr denn mittlerweile selbst einen Garten für euch gefunden?

Ja, ich gärtnere auf einem Stück Land, das mir ein Freiburger Landwirt von seinem eigenen Gemüsegarten abgetreten hat, da er alleine mit der Bewirtschaftung nicht hinterherkam. Dafür bekommt er von mir jetzt leckeres Gemüse und gibt mir wiederum viele Tipps. Das ist eigentlich genau die Essenz von Gartenpaten.

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