Interview: „Wir sind doch alle Affen“

Im Dschungel der alltäglichen Optionen ist es nicht immer einfach, sich nachhaltig zu verhalten oder Gleichgesinnte zu treffen. Im Januar hat deshalb in Zusammenarbeit mit der „Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017“ die Social Media Plattform greenApes ihre erste deutsche Community gestartet mit dem Ziel, umweltfreundliches Verhalten zu fördern. Ob man eine Fahrgemeinschaft gründet oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, regionale Lebensmittel einkauft, mit anderen ‚Apes’ Klamotten tauscht oder einen fair gehandelten Biokaffee bestellt – jede nachhaltige Handlung, die im Netzwerk geteilt wird, wird belohnt. Dies geschieht über ein Punktesystem, das Nutzer für ihr grünes Verhalten und die Inspiration anderer im Netzwerk auszeichnet. Ab einer bestimmten Anzahl erhalten sie damit Zugang zu Prämien bei nachhaltigen Unternehmen, die Teil des Netzwerks sind. Wir haben einen der Gründer von greenApes, Gregory Eve, für euch interviewt.

GregoryEve

Gregory, wie ist die Idee für Green Apes entstanden?

Es gibt zu wenig persönliche Anreize für Menschen, ihr Leben nachhaltiger zu gestalten – Das hat mein ehemaliger Professor für Sustainable Strategies in Schweden, Renato Orsato, in seinen Studien herausgefunden. Denn die meisten sehen zwar ein, dass Veränderungen sinnvoll sind, setzen sie aber nicht in die Tat um, wenn sie nur Aufwand und Kosten damit verbinden. Deshalb hatte er die Idee, ein System zu entwickeln, das Menschen für ein ökologischeres Konsumverhalten belohnt.

Später kamen Francesco Zingales und ich dazu und die Idee entwickelte sich weiter: Jetzt war der Plan, eine nachhaltigere Lebensweise mit all ihren Aspekten erstrebenswerter zu machen. Wir haben festgestellt, dass soziale Interaktion der wichtigste Aspekt dabei ist. Viele Menschen haben gute Ideen oder betreiben tolle Projekte, aber es ist schwierig, aber man kommt selten damit in Kontakt. greenApes sollte ein Werkzeug werden, um gute Beispiele bekannt zu machen und Menschen spielerisch an das Thema Nachhaltigkeit heranzuführen.

Green-Apes-Haushalt

Also meint ihr, für nachhaltiges Verhalten ist immer ein Belohnungseffekt nötig? Sollte das nicht eigentlich aus eigener Motivation kommen?

Es gibt einen kleinen Bevölkerungsanteil, für den das überhaupt nicht nötig ist. Diesen Menschen ist von selbst bewusst, wie wichtig und dringend das Thema ist und deshalb handeln sie auch von selbst. Das sind aber je nach Land nur etwas 10 Prozent. Der Rest ist zwar meistens zumindest minimal an Nachhaltigkeit interessiert, schiebt aber wirkliche Handlungen auf, weil sie zu anstrengend, kompliziert, teuer oder auf den ersten Blick zu wirkungslos sind. Hier reicht aber schon ein ganz kleiner Anreiz oder eine symbolische Belohnung, um einen Anstoß zu geben. Und ist einmal mit einer Gewohnheit gebrochen, wird es viel leichter, sich dauerhaft zu motivieren.

Wie kam der Bezug zu Affen? Besteht da nicht das Risiko, dass Nachhaltigkeit als rückschrittlich wahrgenommen wird?

Nein, wieso rückschrittlich? Wir sind doch nun einmal alle Affen. Auch wenn wir mittlerweile vielleicht etwas gepflegter aussehen (lacht). Nein, aber im Ernst: Wir sind im Moment in einer Phase der menschlichen Entwicklung, in der wir die Verbindung zur Natur verlieren. Und greenApes soll da als Symbol für eine Gruppe von Menschen – oder eben Affen ­– stehen, die bereit sind, diese Verbindung wiederherzustellen, um die Erde weiterhin als lebenswerten Ort zu erhalten.

GreenApes-Veggie

Wie soll greenApes längerfristig finanziert werden?

Die schwierigste Aufgabe als kleines Start-up ohne Großinvestoren ist es immer, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen und sich gegen größere Angebote durchzusetzen. Deshalb sind die Marketingkosten im Moment wohl die höchsten. Wir hatten aber ziemlich Glück und konnten einige Stakeholder für uns begeistern, vielleicht auch, weil es bei uns so eindeutig ist, was unsere Leidenschaft ausmacht. Längerfristig soll es auch wie bei anderen sozialen Netzwerken eine Möglichkeit für Unternehmen geben, gegen Bezahlung sichtbarer bei greenApes zu werden. Dabei ist es uns wichtig, dass auch die zahlenden Unternehmen unsere strengen Kriterien erfüllen.

Eine zusätzliche Einkommensquelle stellt „greenApes corporate“ dar, das wir parallel zur privaten Plattform als Angebot für Unternehmen betreiben. Damit unterstützen wir Firmen, die ihre Mitarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit bei der Arbeit motivieren oder nachhaltige Innovationen umsetzen wollen.

GreenApes-Dschungel

Wie ist das Projekt bisher aufgenommen worden?

Bisher scheinen die Leute die Community zu mögen. Dort wird jeder willkommen geheißen und unterstützt – von absoluten Umweltprofis bis zu Menschen, die erst am Anfang der Veränderung stehen und auf der Suche nach Inspiration sind. Denn alle haben ja die selbe Vision.

Ein Kritikpunkt, den wir oft zu hören bekommen ist: „Wie wollt ihr denn beweisen, dass die Leute diese nachhaltige Handlung wirklich durchgeführt haben?“ Dabei ist es ja eigentlich viel wichtiger, dass jemand seine Geschichte überhaupt geteilt hat und als Botschafter für Nachhaltigkeit aufgetreten ist. Zusätzlich soll es in Essen bald auch die Möglichkeiten geben, zertifizierte Punkte zu erhalten, die eine dritte Partei abgesegnet hat. Also zum Beispiel, wenn man seinen Müll zur Recyclingstation bringt, sich ehrenamtlich engagiert oder an Workshops teilnimmt.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Aktuell werden, wenn überhaupt, nur Unternehmen für nachhaltige Praktiken belohnt und auch die nicht ausreichend. Noch schwieriger ist es für Regierungen, Privatleute zu motivieren. Und das muss sich ändern, damit Veränderungen schnell genug passieren. Wir wollen mit greenApes ein Zeichen setzten und zeigen, dass ein solches Netzwerk da helfen kann. Im Moment konzentrieren wir uns darauf, in unseren Hauptstandorten in Florenz und jetzt auch in Essen mehr Nutzer zu gewinnen. Aber im besten Fall ist selbst greenApes eines Tages nicht mehr nötig!

Hat euch das Projekt so begeistert, dass ihr ein Teil davon werden wollt? GreenApes sucht aktuell einen Community & Communications Manager für den Standort Essen.

GreenApesEssen

Schreibe einen Kommentar